Es allen recht machen

Wer kennt es nicht, das Gefühl, es allen und jedem recht machen zu müssen. Ich beobachte zunehmend, dass gerade in der Vorweihnachtszeit noch mehr Menschen sich stressen, keine Zeit haben, von A nach B hechten und noch so viele Dinge zu erledigen haben, weil sie es allen recht machen wollen

Eigentlich ist die Adventszeit eine Zeit der BeSINNlichkeit und BeSINNung – Der Sinn für mich in dieser Zeit ist ‚runterzufahren‘ und ganz bewusst auch dorthin zu schauen, wo ich es beispielsweise noch nicht geschafft habe, mir treu zu sein.

Ich kann es nicht allen Menschen recht machen und ich soll es auch nicht allen Menschen recht machen. Ich habe mir treu zu sein. So ist es eine Ehrensache und eine heilige Pflicht, dass ich es mir recht machen, mich wohl fühle mit dem was ich tue, selbstbestimmt und eigenverantwortlich.

Ich habe dazu eine passende Geschichte gefunden aus »Der Kaufmann und der Papagei« von Nossrat Peseschkian

Ein Vater zieht mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagsglut durch die staubigen Gassen einer Stadt. Der Vater sitzt auf dem Esel, den der Junge führt. “Der arme Junge”, sagt da ein Vorübergehender. “Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft.” Der Vater nimmt sich dies zu Herzen, steigt hinter der nächsten Ecke ab und lässt den Jungen aufsitzen.

Gar nicht lange dauert es, da erhebt  schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: “So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenher läuft.”  Dies schmerzt den Jungen und er bittet den Vater, sich hinter ihn auf den Esel zu setzen.

“Hat man so was schon gesehen?” keift eine alte Frau, “Solche Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, als wäre er ein Diwan, die arme Kreatur!”
Die Gescholtenen schauen sich an und steigen beide, ohne ein Wort zu sagen, vom Esel herunter.

Kaum gehen sie wenige Schritte neben dem Tier her, macht sich ein Fremder über sie lustig: “So dumm möchte ich nicht sein. Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?”

Der Vater schiebt dem Esel eine Hand voll Stroh ins Maul und legt seine Hand auf die Schulter des Sohnes. “Gleichgültig, was wir machen”, sagt er, “es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.”

In diesem Sinne … macht es euch, machen Sie es sich recht … recht schön gemütlich. Ich wünsche einen besinnlichen Jahresausklang und einen wunderherrlichen Übergang in ein gelingendes Neues Jahr.