Alter Ego(n) – liebgewordener Feind

Ach, der Ego(n), wer kennt ihn nicht. Die meiste Zeit werden wir von ihm gesteuert. Solange Ego(n) Hauptdarsteller unseres Schöpfungsaktes ist, wird es immer ein Gegeneinander sein, das er kreiert, denn Ego(n) ist ein Einzelgänger, ein Draufgänger, ein einsamer Wolf. Lassen wir Ego(n) jedoch außen vor und kreieren im Akt der Schöpfung aus unserem Selbst heraus unser Leben, so wird es im Ergebnis ein Miteinander sein. Wir gestalten Gemeinschaft.

Die Freunde unseres Ego(n)s heißen Instrumentalisierung, Indoktrination und Missbrauch. Sie werden von Tag zu Tag dreister als jemals zuvor. Politiker instrumentalisieren ihre Wähler, TV-Sender indoktrinieren ihre Zuschauer, Chefs benutzen ihre Mitarbeiter, Männer missbrauchen Frauen und umgekehrt. Pharma-Konzerne spannen Ärzte vor ihre Karren, Wirtschaft zensiert Politik, Banken manipulieren Kunden usw. usw.

All dies bedeutet, dass der Mensch nicht um des Menschsein willen respektiert, sondern als Mittel zur Realisierung von Zwecken benutzt wird, die nicht seine sind. Und Ego(n) liebt es, wenn man um ihn herumschwänzelt, ihn mit falschen Versprechen lockt, ihm das Blaue vom Himmel erzählt, ihn pampert und preist. Er macht sich gerne zum Komplizen manipulativer Strategien und ist begeisterter Anhänger von Machtmissbrauch.

Mit diesem Ego(n) dürfen wir keine Gnade walten lassen. In meinen Telefon-Coachings begegnen mir auch Menschen, die sehr viel Seminar- und Therapie-Erfahrung gesammelt haben. So Achtung, jetzt kommt wieder etwas Polarisierendes: Mir rollen sich die Fußnägel auf, wenn es dann heißt: »Ja, dann muss ich mich aber erst mal bei Ego(n) bedanken, dass er immer für mich da war und dann muss ich ihn liebevoll verabschieden und seinen Abschied schön gestalten. Ein bisschen was von ihm behalte ich, damit ich mich immer erinnern kann«. Völliger Unsinn. Dieser Ego(n) hat Sie in der Vergangenheit drangsaliert und mit tausend geschickten Machenschaften daran gehindert, Ihren eigenen Weg zu gehen. Mit Ego(n) dürfen Sie kein Mitgefühl haben – weg damit – kraftvoll und bestimmt.

Nur ist leider es so, dass sich dieser Ego(n) nicht so schnell abwimmeln lässt. Er wird sich immer wieder die schönsten Verkleidungen aussuchen und zurückkommen. Er kann sich sogar als Fußball verkleiden, mit der Absicht, sich wieder in Ihr Herz zu spielen. Werden Sie zum Champion. Wachsen Sie über sich hinaus und dann: »Kick it, like Beckham«. Irgendwann geht Ego(n) dann die Luft aus, und er wird von irgendeinem morastigen Loch verschluckt. Verzichten Sie bitte darauf mit einer Fußball-Luftpumpe durch die Lande zu ziehen und den alten Ego(n) zu suchen. Weg ist weg und kommt nicht wieder.

Noch einmal. Ego(n)s Zugriff auf unsere schöpferischen Akte muss mit allen Mitteln verhindert werden. Ego(n) gehört auf den Friedhof der Eitelkeiten.

Liebe lässt lange Leine, wenn es in eine positive und lebensbejahende Richtung geht. Doch die Leine muss sofort angezogen werden, wenn es in eine dem Leben schadende Richtung geht.

In diesem Sinne: Nehmen Sie die Führung in Hand.