Augenblicke im Hier und Jetzt

Ich habe heute einer Spinne ganz intensiv zugeschaut, wir sie ein Netz spinnt. Virtuos bis ins kleinste Detail. Geschickt webt sie Faden um Faden zu einem einzigartig schönen Gebilde.

Dazu fiel mir ein Zitat von Erich Kästner ein: »Wenn man so ganz alleine im Wald steht, begreift man nur sehr schwer, wozu man in Büros und Kinos geht, und plötzlich will man all das nicht mehr.«

Recht hat er, der Vater von Emil, Pünktchen und Anton, will ich ausrufen.

Denn diese und ähnliche Begebenheiten regen unsere Fantasie an. Ähnliches können wir erleben, wenn wir den Weg einer Ameise verfolgen und schließlich eine Idee davon bekommen, wie man gemeinsam etwas Großes schaffen kann. Viele andere Beispiele regen uns an, inspirieren und machen uns womöglich glücklich.

Die Zeit, die wir in der Natur verbringen und ihr zuschauen, beim Sein, ist Balsam für gestresste und überarbeitete Seelen. Das ist auch ein Grund, warum ich mit meinen Coachees am liebsten unter freiem Himmel arbeite.

Es reicht bereits bewusst einem Grashalm zuzusehen, wie er sich im Wind wiegt. Wer in dieser Beobachtung geübt ist, geht einen Schritt weiter und wird zu dem, was er sich sieht. Und jetzt denkt nicht, dass das langweilig wäre. Die meisterhafte Weberin spürt in ihre Gelenke, der emsige Nestbauer bemerkt, wie es ist, Teil eines Kollektivs zu sein. Vielleicht ziehe ich auch andere Parallelen. Wie es beispielsweise sein könnte, sich ins Leere fallen zu lassen. Vielleicht entdecke ich leere Räume, die ich füllen möchte. Was auch immer es ist: Die Entdeckungsreise ist großartig, so man sich darauf einlässt.

Die Natur hat so unendlich viel zu bieten, dass wir in unseren Alltag aufnehmen können, von dem wir lernen und profitieren sollten.

Einige meiner gestressten Kunden-Seelen halten sich in virtuellen Fantasiewelten auf, jagen Monstern über Stock und Stein hinterher. Das sind ihre Entspannungsinseln, sagen sie zu Beginn des Coachings.

Erfolg ist für mich, z.B. die E-Mail eines ehemaligen Klienten. Nach dem Abschluss unseres Coachings schrieb er mir, dass er die elektronischen Spiele von seinem Mobiltelefon verbannt habe und sich auch bis jetzt keinen anderen manipulativen Kräften unterworfen habe. Jeden Abend – nach seinem Job – erkundet er sein Wohnumfeld, macht einen Spaziergang um den Block, radelt einige Kilometer zu Plätzen, die er vorher mit dem Auto erreicht hat und am Wochenende hat er es sich zum Ritual gemacht, ins Grüne zu fahren. Ich finde das großartig und denk so bei mir: Ein Pokémon-Jäger weniger und ein bewusster Mensch mehr und dann bin ich glücklich, mit meiner Arbeit wirken zu können.

In diesem Sinne wünsche ich allseits schönes Entdecken beim nächsten Hummelflug.