Das Wartezimmer des Lebens

Ich vermute jeder von uns war schon einmal bei einem Arzt. In der Regel werden wir von der freundlichen Sprechstundenhilfe ins Wartezimmer gebeten, und – wie der Name schon sagt – aufgefordert zu warten, bis wir ‚dran‘ sind. Das kann mitunter Stunden dauern.

Ich habe diese Metapher ausgewählt, um über das »Wartezimmer des Lebens« nachzudenken. Denn hier verhält es sich doch ähnlich. Wir setzen uns – entweder von anderen dazu verdammt, oder was fast noch schlimmer – freiwillig hinein und warten. Warten darauf, dass ein guter Beruf vorbei kommt, warten, dass der richtige Partner uns findet, warten auf das ‚große Glück‘, warten auf was auch immer.

Während dieser Warterei vertreiben wir uns die Zeit, in dem wir durch den Lesezirkel blättern. Hier und da bekommen wir mit wie es ‚die Anderen‘ machen, beäugen sie kritisch. Unser Leben zieht in der Zwischenzeit seelenruhig an uns vorbei.

Im Wartezimmer des Arztes werden wir irgendwann ungeduldig, fragen die Sprechstundenhilfe, wann wir denn nun endlich dran sind. Aus dem Wartezimmer des Lebens müssen wir uns selbst entlassen. Wir müssen quasi unser eigener Doktor werden und uns die Erlaubnis erteilen, das Wartezimmer zu verlassen.

Das wiederum bedeutet: Wir sind Arzt und Patient zugleich. Was für ein großes Geschenk, kennen wir uns doch selbst am besten und wissen, wie Heilung und damit eine Entlassung einzuleiten sind. Wir wissen genau was wir dazu brauchen, welche Medizin wir uns verschreiben können.

Wie ist es im Wartezimmer deines Lebens? Wann wirst du ungeduldig? Wann stehst du auf und nimmst dein Leben in die Hand? Gewiss, jeder Mensch hat sein eigenes Tempo und seinen eigenen Rhythmus und dennoch ist jeder Lesezirkel irgendwann ausgelesen.

In diesem Sinne: Aktiviere deinen inneren Heiler und verlasse dein Wartezimmer.