Kindermund tut Wahrheit kund – Teil 1

»Glück ist, dass ich lebe« … dies war die erste Antwort auf meine Frage: »Was ist Glück für dich?« Ich hatte die Gelegenheit zum – von der UNICEF – ausgerufenen Internationalen Tag des Glücks in einer dritten Grundschuleklasse zu hospitieren. Mein Thema: Glück.

Was ist Glück für Kinder: Das wollte ich herausfinden. Die Antworten sind so einfach und haben mich oftmals umgehauen.

Eine Auswahl:

*Jakob: »Glück ist, dass ich lebe und heute keine Hausaufgaben auf bekommen«

*Lucie: »Glück ist, dass ich Freunde habe und meine Freude mit ihnen teilen kann«

*Vincent: »Glück ist, mein Hamster und mein Zuhause«

*Alexander: »Glück ist, wenn man fliegen kann«

*Lisa: »Glück ist, wenn ich in einer Tombola gewinne«

*Matthew: »Glück sind meine Haustiere«

*Emilia: »Glück ist mit meinen Freunden zusammen zu sein«

*Falk: »Glück ist, wenn ich in der Kirche bin«

Ich habe die Kinder gefragt, ob sie sich vorstellen können, dass Glück eine Form hat, oder eine Farbe, einen Geschmack. Ein einhelliges lautes Ja, war die Antwort.

Jedes Kind hatte eine Idee und es zeichneten sich schöne Bilder. Für den einen sieht das Glück aus wie ein Herz mit Füßen und Händen. Die wolle es rund malen und nur mit hellen Farben. Glück ist wie Sterne und wie Blumen, Glück ist bunt und schmeckt wie Obstsalat. So manchem schmeckt es nach Bratwurst oder Eiscreme. Glück kann fliegen wie ein Vogel und ist weich wie ein Hamster. Glück ist eine Leiter und man kann rauf und runter klettern. Glück wohnt in einem Schneckenhaus.

Die Kinder konnten sagen, wo sie ihr Glück spüren:

  • … im Herzen, das fühlt es sich an, als wenn es zerspringen will
  • … auf der Kopfhaut, wenn es ganz doll kribbelt
  • … in den Füßen, dann muss man unbedingt rumhüpfen
  • … Glück ist alles durcheinander
  • … und man muss den Mund aufmachen, weil das Glück raus will

Wir erzählten darüber, dass alle Menschen die gleiche Luft ein- und ausatmen. Und wir haben ausprobiert, wie es ist unglückliche und glückliche Luft zu atmen. Glückliche Luft atmen ist eindeutig besser :-)

Ich ließ den Hang erklingen und ‚glückliche Töne‘ fielen in die Kinderherzen. Selbst die Quirligsten wurden ruhig und auch sie konnten spüren, wie es in ihren Herzen schwingt.

Wir philosophierten darüber, welch wichtige Aufgabe das Herz hat und wie schön man es sich darin machen kann. Die tollsten ‚Einrichtungsideen‘ wurden mir präsentiert. Dort in ihren schönen Herzen wollten sie gerne wohnen, wenn es mal blöd ist draußen. Der letzte, mich sehr beeindruckende, Satz kam von Maja … »Pech kann ich in meinem Herzen in Glück verwandeln«

Zum Abschluss gab es selbstgebackene Glückskekse. Nicht nur die Lehrerin war verblüfft. wie gut die Glücksbotschaften zu den Kindern passten. Auch die Kinder waren für einen klitzekleinen Moment lang ‚berührt‘, als jedes seine Glücksbotschaft vorlas.

Der heutige Tag ist für mich ein wahrer Glückstag. Ich habe sehr bereichernde Erfahrungen machen können. Mein ängstliches Herzklopfen vor dieser Stunde verflog im Nu und weil es so schön war, gehe ich nächste Woche noch mal … in eine andere Schule … und ich werde wieder berichten. 

In diesem Sinne … »Ein Tag ohne Dich, ist wie ein Keks ohne Zettel.«