»Mehr Drama, Baby« – Cineasten aufgepasst

Ein guter Freund versteht schwierige Situationen als Prüfungen. Er weiß nicht wofür und warum, dennoch fühlt er sich geprüft. Er meint daran Erkennen zu können, ob er für die nächsten Herausforderungen gerüstet ist. Eine gesunde Herangehensweise, solange wir diese Prüfungen als das sehen, was sie sind – nämlich einfach Prüfungen und keine Dramen.

»Mehr Drama, Baby«, sich in seinem Elend zu ergießen, wie die Filmdiva auf ihrer Chaiselongue ist dabei nicht die Lösung. Erst wenn wir in der Lage sind ‚hindurch‘ zu gehen, kommen wir voran. Und darum geht es: Nicht stecken bleiben, nicht zu verhaften und eben womöglich alles in einem Drama enden zu lassen.

Es ist ja nun nicht neu, dass in jeder Krise das Potenzial steckt, die nächste Not weitaus vorbereiteter zu meistern. Krisen präparieren uns  für das, was als Nächstes kommt. Die Chance, die in jeder Krise steckt, ist allerdings nicht immer offensichtlich. Doch wer mit dem Vertrauen, diese Chance über kurz oder lang erkennen zu können, seine Krise meistert, hat sie bereits halb überstanden.

Ja, es ist schwierig, selbst schweren Zeiten in einer Haltung aus Vertrauen, Hoffnung und gelebtem Optimismus zu begegnen. Diese Attitüde funktioniert, wenn sie unserer inneren Haltung entspringt, wenn ich also der festen Überzeugung bin, dass ich die Krise überstehe, und zwar deutlich gestärkt.

Was nicht funktioniert ist ein aufgesetzter Optimismus, der die Dinge ‚gut und schön‘ redet. Es kann zwar sein, dass so die Krise vordergründig überstanden wird, doch die nächste Herausforderung mit ähnlicher Ausrichtung lauert bereits an der nächsten Ecke. Und sie hat viele Freunde, die ebenfalls warten zum Einsatz zu kommen und zwar so lange, bis wir unsere Lektion gelernt haben.

Natürlich bleibe auch ich nicht von Krisen verschont. Aus eigener Erfahrung kann ich mittlerweile sagen, dass ich erst wachse, wenn ich die Krisensituation von außen betrachte. Hier also nun eines meiner Rezepte, wie ich aus schweren Situationen aussteige:

Ich setze mich ins Kino. Imaginär versteht sich, denn ich will  mir meinen Film, der gerade läuft,  ansehen. Am liebsten übrigens tatsächlich mit einer Tafel Schokolade. Ich lehne mich zurück und schaue mir also den Sneak Preview an, der gerade in meinem Kino läuft. So entsteige ich für einen Moment meinem Drama. Oft ist es übrigens mehr als nur eine Vorstellung, die wir uns da anzugucken haben.

Da ist die Vorstellung von dem, wie ich denke, dass die anderen denken, wie es sein sollte oder wie ich sein sollte. Da ist die Vorstellung, dass eine Lösung ad hoc aus dem Hut gezaubert werden muss und da ist vielleicht auch die Vorstellung, dass es alles so nicht gekommen wäre, wenn ich im Vorfeld etwas anders gemacht hätte. Diese Vorstellungen sind ermüdend und ich werde mir zunehmend  bewusst, wie unnötig und wenig zielführend es doch ist an eben diesen Vorstellungen festzuhalten.

In der Regel ist der Film zu Ende, wenn auch die Schokolade verputzt ist, vielleicht sogar Taschentücher tränendurchnässt sind, dennoch fühle ich mich beim Verlassen meines imaginären Kinos bereichert. Die Darbietung hat mich berührt.

Jetzt bin ich klar. Jetzt bin ich in der Lage, zu entscheiden, ob der Sneak Preview tatsächlich so gezeigt werden soll. Jetzt ist die Zeit zu sagen: Dieses kleine unbedeutende Movie kommt mir so nicht auf die internationale Leinwand. Ich habe die einmalige Chance mit meinem inneren Regisseur und den Schauspielern in Kontakt zu kommen. Als Produzent kann ich das, als Produzent habe ich alle Rechte. Meist sind es nur ein paar kleine Textkorrekturen. Selbst das scheinbar schmerzhafte ersatzlose Streichen einer Szene wirkt oft Wunder und lässt den ganzen Film in einem anderen Licht erscheinen.

Aussteigen aus dem eigenen Film, seine Dinge von außen betrachten, in einem anderen Licht sehen. zu all dem sind wir in der Lage, denn wir sind Regisseur und Bühnenbildner zugleich, zuständig für die Requisite und die Ausrichtung der Scheinwerfer. Es ist an uns die Rollen zu verteilen und selbst auszufüllen.

In diesem Sinne wünsche ich einen erhellenden Filmabend. Bis zur nächsten Klappe