Von Sorgen, Nöten und Ängsten und Wachstumsschmerzen

Wenn alles ‚gut läuft‘, fühlen wir uns sicher, sind frohen Mutes und freuen uns des Lebens und an dem, was es für uns bereithält. Wir sind nicht argwöhnisch, wir vertrauen. Doch dann geschehen Dinge, die wir uns in unseren schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Situationen und Ereignisse ändern sich in einem Ausmaß, von dem wir nicht geglaubt hätten, dass sie so passieren können.

Treten solche Ereignisse ein, ist nichts mehr so wie vorher. Wir werden von Sorgenungeheuern und Angstmonstern geplagt. Nichts mehr zählt, dessen wir uns bis zu diesem Zeitpunkt sicher wähnten.

Die meisten solcher Veränderungen treffen uns unvorbereitet. Enttäuschungsgedanken beherrschen uns. Die Wirklichkeit verschwimmt. Wenn wir beim Verursacher oder Auslöser dieser Ängste kein Gehör finden, macht sich Hilflosigkeit breit und bemächtigt sich unseres Handlungsspielraums. Starre ist ein häufiges Resultat oder blinder Aktionismus.

In dieser Situation jedoch können wir auch Ruhe finden. Statt also in erwähnten Aktionismus zu verfallen oder in der Starre zu verweilen, empfehle ich in der Ruhe die große Stille zu spüren. In dieser Stille haben wir jetzt nur noch eine einzige Aufgabe – nicht mehr und nicht weniger: Wahrnehmen, was jetzt genau gerade in diesem Moment ist.

So werden wir zu unserem eigenen Augenzeugen. Die Beobachtungen, die wir machen, werden weder bewertet, noch beurteilt. Sie werden stattdessen reflektiert. Damit stellen wir uns dem, was uns aus der Spur haut, wir nehmen die Situation an und verwandeln sie. Wir erwachsen aus uns heraus und kommen von der Passivität in die selbstbestimmte Aktivität.

Wir erkennen wo wir verhaftet sind und waren. Das ist mitunter schmerzhaft. Es ist wie das Herausschälen aus einer zu engen Haut. Der nächste Wachstumsring kündigt sich an, der Sprung auf das nächste ‚Level‘. In »Die wundersame Spirale des Glücks« beschreibe ich dieses Wachstum mit dem lästigen Herauspopeln aus einem nassen Neoprenanzug nach dem gerade erfolgten Tief-Seh-Tauchgang.

 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehen.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise Jahrtausende lang
und ich weiß noch nicht:
bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.

 

In diesem Sinne, wünsche ich gesundes und kräftiges Wachsen in Ringen aus der eigenen Mitte heraus - frei nach Rainer-Maria Rilke.