Wenn die Wirklichkeit verschwimmt

Manchmal erhalten wir eine Information oder befinden uns in einer bestimmten Situation und augenblicklich meldet sich unser Körper zu Wort. Mit einem Drücken oder Grummeln in der Magengegend, mit einem erhöhten Puls und rasenden Herzschlag, mit Gänsehaut-Attacken, mit Hustenreiz etc. Manche Gefühle ordnen wir dem Glück zu und andere wiederum sind erfahrungsgemäß negativ behaftet.

Mich überkommt in letzter Zeit immer häufiger eine Art ‚Stillstand-Gefühl‘. Innerlich werde ich ganz still, wenn um mich herum alles gerade ganz laut ist.

Politische und gesellschaftliche Themen sind in aller Munde. Ein jeder hat etwas zu sagen, hat die Wahrheit für sich gepachtet und bläst sie trompetengleich in jedes Ohr. Wirklichkeiten verschwimmen, werden gedehnt und ausgelegt und gerne auch manipuliert. Da wird nachgeplappert was das Zeug hält, ohne sich ein Thema von mehr als nur einer Seite anzuschauen oder besser noch zu eruieren, was dahinter steckt (denn jedes Thema hat in der Regel eine ‚Hidden Agenda‘ – meistens jedenfalls).

Jeder weiß, wie man mit vor Krieg und Armut flüchtenden Menschen umgehen muss. Jeder weiß, wer die Schuld trägt, wenn Flugzeuge vom Himmel fallen, oder wie sich ganze Länder in einem europäischen Verbund zu verhalten haben.

Ein jeder Einzelne trägt eine Mitverantwortung, wenn die Wirklichkeiten verschwimmen – jeder Politiker, jeder Medienmacher, jeder Nachrichtenkonsument. Jeder einzelne Mensch. Du und ich auch. Das gilt für posaunen in Orchester und auch für das Trompetensolo in meiner eigenen kleinen Welt. Wenn ich mir Berufsbezeichnungen zu Eigen mache und damit Kompetenz suggeriere, wenn ich die Zahlen in der Steuererklärung oder Bilanz verschönere, wenn ich mich auf Kosten anderer bereichere.

Was also tun? Ich habe für mich herausgefunden: Je lauter es wird, desto stiller werde ich. Wenn die Stimmen ‚im Außen’ schreien und um meine Gunst rufen, muss ich still werden. Nur so habe ich die Möglichkeit meine eigene Stimme zu hören. Und genau dann stellen sich auch die körperlichen Reaktionen wieder ein und ich weiß, wo die Wahrheit liegt oder wo ich andocken kann, um sie zu finden. Mein innerer Kompass ist wieder ausgerichtet. Ich bin ‚eingenordet‘.

In diesem Sinne, wünsche ich mir für alle Posaunen kräftige Dämpfer