Wie die Axt im Walde

Diese bekannte Redensart meint, sich grob und unhöflich zu verhalten. Flegelhaft und rüde im Ton, barsch und abweisend in der Begegnung, taktlos im Umgang mit anderen. Diese Art der Kommunikation scheint mir mit rasantem Dominoeffekt in unermessliche Sphären zu wachsen.

 

Dass wir in politischen, wirtschaftlichen und demzufolge für sehr viele Menschen weltweit auch persönlich schwierigen Zeiten leben, ist unübersehbar.

Statt aber in solchen Zeiten Gemeinschaft zu formen, zusammenzuhalten, sich gegenseitig zu stützen und zu helfen, geschieht genau das Gegenteil. Alle sind bis an die Zähne bewaffnet. Wenn nicht mit realen Schießgewehren, dann mit sprachlichen Äxten und Beilen. Politiker spalten Nationen, Wirtschaftsmagnaten spleißen ihre Drähte zu Mensch und Natur. Selbsternannte Spezialisten durchkreuzen wie barbarische Piraten das Meer der sozialen Kommunikationsplattformen und selbst in der Familie und unter Freunden wird mit vergifteten Pfeilen geschossen.

Wer schon mal mit dem Prinzip der Suggestion gearbeitet hat, kennt den Satz »Die Energie folgt immer der Aufmerksamkeit«, geprägt Ende des 19. Jahrhunderts vom französischen Apotheker Emile Coué. Suggestion ist die Beeinflussung eines Menschen, mit dem Ziel, ihn zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen. Wir können diesen spaltenden Kräften entgegenwirken, wir können uns der Manipulation entziehen, z.B. in dem wir positiv kommunizieren. Positiv heißt nicht ‚Friede, Freude, Eierkuchen‘. Positiv meint, dass wir den negativen Kräften keine Aufmerksamkeit schenken. Es meint, sich nicht auf einen Nachteil, sondern auf den Vorteil zu konzentrieren. Es bedeutet, nicht auf der Schwäche eines Menschen herumzureiten, sondern seine Stärke zu erkennen und zu betonen.

Es scheint leichter, jemanden zu diskreditieren, zu blamieren oder sogar in aller Öffentlichkeit zu brüskieren. Wir alle können etwas tun, um diese gefährliche und trennende Grundmuster zu verändern. Wirklich jeder. Einige Beispiele gefällig?

Hör‘ auf Klatsch, Angst, Panik und schlechte Nachrichten zu verbreiten. Fokussiere dich auf die Dinge, die du beeinflussen kannst. Wenn dein Arbeitsplatz bedroht ist, handele: Triff Entscheidungen, die Dir helfen, anstatt weiterhin über dein Elend zu jammern oder womöglich Hasspredigten gegen deinen Arbeitsgeber zu führen. Es wird dir nicht einen Millimeter dabei helfen, den Arbeitsplatz zu erhalten.

Du musst den Gürtel enger schnallen? Gut. Die beste Gelegenheit sich seiner Grundbedürfnisse bewusst zu werden und zu schauen, wo die Prasserei deine Gedanken vernebelt.

Du liest einen Text, dessen Botschaft dir zusagt. Gib dem Autor ein Feedback, was genau an diesem Text dir gefallen anstatt dich auf den gefundenen Kommafehler zu stürzen.

Wann immer du mit Menschen kommunizierst, tue es wertschätzend und positiv. Vermeide eine negierende Sprache, so z.B. auch das Wörtchen ‚nicht‘ oder andere Mangelworte.

Hast du heute deine Mutter angerufen? Statt: Nein, ich rufe sie heute nicht an, lieber, ich rufe sie morgen an.

Ein anderes Beispiel: Mein Mann singt nicht gerne -> Mein Mann ist der beste Handwerker, den ich mir wünschen kann.

Statt: Ich trinke meinen Kaffee ohne Milch und Zucker besser, ich trinke meinen Kaffee schwarz

Zugegeben kleine Beispiele, die nicht die Weltpolitik ändern, sehr wohl aber einen Anfang markieren.

Oder wie wär’s mit Komplimente und Lob verteilen? Deine Arbeit ist ein Gewinn für unser Unternehmen, ich bin freue mich, dass du zu unserer Verabredung gekommen bist, ich bin ein wahrhaft reicher Mensch, dass du dein Leben mit mir teilst …

Natürlich sollen Missstände benannt werden, dies geht immer auch mit Wertschätzung und Respekt. Denn letztlich atmen wir alle dieselbe Luft. Und je weniger wir diese mit unseren Worten und Gedanken vergiften, desto gesünder das gesamte Klima für alle.

In dem Zusammenhang ist mir ein Text von Hildegard Knef in den Sinn gekommen und ich habe mich tatsächlich gefragt, ob es uns vielleicht einfach zu gut geht?