Wie ich den Verhinderer Gustave Zweiffel zum Unterstützer machte

Wer kennt sie nicht, die Zweifler und Zauderer? Sie sabotieren und verhindern und stellen sich in den Weg, wo es gar nicht nottut. Mein innerer Zweifler ist Franzose, heißt Gustave (Güstaf Zweifelllllll). Er trägt eine schwarze Baskenmütze und fuchtelt zuweilen mit seinem Baguette-Brot so lange vor meiner Nase herum, bis mir ganz schwindelig ist und ich nicht mehr weiß, wem ich noch glauben kann. Er hat es wirklich drauf.

Beispiel gefällig? Ich habe ein Projekt ziemlich genau geplant, die zu tuenden Schritte sind klar notiert. Es gibt einen Plan!!! Pläne sind nichts für meinen Gustave. Sobald er die in der Kapitänskajüte liegen sieht, holt er klammheimlich sein Baguette, schleicht sich an … Zweifler kommen fast immer still und heimlich … und baut sich plötzlich vor mir auf, präsentiert mir die bestens Gründe, warum der Plan und das Projekt so nicht gelingen können. Und: Er gibt nicht eher Ruhe, bis ich meine Kopf verliere, kleinlaut werde und ihm beipflichte.

Das Dumme an der ganzen Sache: Er hat die Türe zur Kapitänskajüte von innen verrammelt, so dass die Unterstützer, wie Frau Traudich oder die anderen Kollegen aus der Ressourcenabteilung nicht reinkönnen. Die müsste ich, als Kapitän, rufen. Ich müsste die Türe öffnen, um sie einzulassen. Doch Gustave ist sehr geschickt im Verhindern. Die Baskenmütze wirft er über die Kommunikationsanlage, springt wie ein Rumpelstilzchen wild gestikulierend vor mir auf und ab und ich habe keine Wahl, als mich ihm zu ergeben … denke ich zumindest.

Irgendwann sind wir dann beide ziemlich erschöpft von diesem inneren Kampf. Eine Art ‚Stillstand‘ tritt ein. Ich fühle mich schlecht, bin antriebslos, habe keine Lust mehr, würde am  liebsten alles hinschmeißen. Diese Situation gilt es nun auszuhalten und zu beobachten. Das ist wahrlich – und das geb‘ ich gerne aus eigener Erfahrung zu – eine ordentliche Herausforderung.

Den Zweifler gucke ich mir in solchen Situationen in aller Ruhe an. Oft kommen wir ins Gespräch. Ich sehe ihn, ich höre ihm zu, wenn er was zu sagen hat. Ich verstehe vielleicht sogar seine Einwände, bin aber – durch die Ruhe gestärkt – auch wieder Herrin meiner Sinne und schlage ihm vor, sich mit einem anderen aus meinem Team zu treffen.

Weil er ebenfalls erschöpft ist, stimmt er diesem Vorschlag zu. Das gute an der Sache: Ich bin für den Moment raus, denn ich kenne und vertraue dem Kollegen, mit dem er sich treffen wird, zu 100 %.

In diesem Fall ist es mein innerer Mechaniker, manche kennen ihn bereits aus »Die Entdeckung der Wunderherrlichkeit«. Mike the Mechanics ist ein fleißiger Zeitgenosse und sein Lebensmotto hat er sich bei Ludwig von Eimannsberger entliehen, seines Zeichens österreichische Diplomingenieur der Architektur.

»Zweifler sind die besten Denker,
das Gegenteil sind Weltenlenker«

Die beiden diskutieren angeregt und oft geht daraus eine Handlungsempfehlung hervor, die das Projekt gerade jetzt ein Stückchen weiter bringt.

Aufs Leben übertragen: Der Zweifler ist gut und will gehört werden. Manches Mal macht er uns auf etwas aufmerksam, dass wir vielleicht außer Acht gelassen haben. Doch spätestens in dem Moment, wo er uns behindert und das, wofür für bis vor kurzem noch Feuer und Flamme waren, zu ersticken droht, spätestens dann ist es Zeit sich näher mit ihm zu befassen und zusätzliche andere Ressourcen zu mobilisieren.

In diesem Sinne … wünsche ich Freude beim Aufspüren der inneren Saboteure und In-die-Suppe-Spucker und wer dabei Unterstützungbraucht, der ruft mich an - wie immer.