Zusammenbruch und Ordnung

Als System bezeichnet man ein aus Einzelteilen zusammengesetztes Ganzes. Die einzelnen Teile bauen auf einander auf, sind miteinander verbunden, interagieren gemeinsam, so dass das Ganze funktioniert. Systeme gibt es viele: wirtschaftliche, physikalische, ökologische, technische, politische und und und. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Ich stelle mir ein Ganzes wie eine große Maschine vor, die aus lauter Zahnrädern besteht. Aus Großen und aus Kleinen. Manche sind aus Stahl, groß und schwerfällig, andere ganz klein, aus Messing und sehr schnell, wie in einem Uhrwerk. Damit nun die ganze Maschine läuft, müssen alle Teile da sein, sie müssen funktionieren, sie müssen in einander greifen und das Ganze antreiben, denn sonst bricht das System komplett zusammen.

Nun braucht es für das Gelingen Pflege und Menschen, die auf diese Pflege spezialisiert sind. In der Mechanik, wie oben beschrieben, wird beispielsweise Öl eingesetzt, Rost frühzeitig entfernt, defekte Zahnräder ausgetauscht. Wie im Verzahnungsgesetz beschrieben müssen die Zahnräder ineinander gleiten, Abrieb darf keiner entsteht.

Auf menschliche Systeme übersetzt, beschreibe ich das ineinander gleiten der Zahnräder mit »Flow«. Wenn eins ins andere greift funktioniert das Ganze. Momentan erleben wir an so viele Stellen, dass Zahnräder veraltet sind, jedoch nicht ausgetauscht werden. Rostumwandler ist allerorten ausverkauft, Achsen sitzen felsenfest. Menschen geben sich als Ingenieure aus und sind es nicht, treiben die Maschine laienhaft an – ohne Rücksicht auf die Übersetzung, ohne Achtsamkeit für die einzelnen Teile. Es sind Mechaniker, die mit ihren lauten Rufen, sich selbst als Teil der Maschinerie herausnehmen, die glänzender sein wollen, als die anderen. Sie treiben den Zusammenbruch der ganzen Maschine voran. Sie sind nicht vertraut mit dem gesamten Getriebe, werfen immer nur einen kleinen Blick an einer ganz einzigen Stelle hinein. Manche schrauben an wenige Stellen und haben nicht im Blick, was sie an anderer Stelle mit ihrer Schrauberei bewirken.

Und so wiederum ist es auch bei jedem einzelnen Menschen. Wir sind unsere eigenen Mechaniker. Wir kennen unsere Maschine in und auswendig und wir tragen die Verantwortung dafür sie. Jeder Mechaniker ist für eine Maschine verantwortlich – für seine eigene – nicht für die seines Nachbarn, nicht für die seiner Frau, nicht für die seines Mannes, nicht für die seines Freundes.

Und wenn jeder Mechaniker sich selbst am Laufen hält, sich jeder in Ordnung bringt, dann ist auch die Welt in Ordnung. Denn jeder von uns ist ein Zahnrad im Getriebe, das das Ganze zusammenhält.

In diesem Sinne, wünsche ich allzeit die nötige Achtsamkeit für die eigene Maschine und Behutsamkeit für den großen Dampfer.