Beginn der Kurzgeschichte 'Tauschhandel'

„Herzlos” hast du mich genannt, die Tür geräuschvoll zugeworfen. „Herzlos”, was so viel heißt, ich sei mein Herz nun los. Wo soll es denn sein? Ich spüre den regelmäßigen Schlag sehr deutlich, sogar beschleunigt. Und es pocht genau dort, wo es soll. Dort, wo es hingehört, in meine Brust.

Aber vielleicht hast du Recht, denn es fühlt sich auch leer an, obwohl der Rhythmus da ist. Bumm, bumm-bumm. Bumm, bumm-bumm. Je länger ich auf die geschlossene Türe starre, desto mehr beschleicht mich der Verdacht, dass du es mitgenommen hast...

Diese Geschichte findest du in 'Ach was, Menschen!

 

Auszug aus 'Tiedenwechsel'

Im Dolce Due trafen sie Freunde, man aß zusammen, bespaßte sich gegenseitig, lachte und genehmigte sich zum Mittagessen bereits das eine oder andere Gläschen.

Für den Abend verabredete man sich entweder in den Kasematten am Rheinufer oder in einer anderen angesagten Lokalität. Hauptsache, man würde gesehen werden und konnte sich über andere das Maul zerreißen. Die Vergangenheit widerte ihn an und immer schneller zog ein zynischer Gedanke den nächsten aus der Kanalisation der Erinnerung hervor.

Samstags war Ritualtag. Die Einkäufe wurden verstaut. Im Alkoholnebel schliefen sie. Zuerst miteinander und dann ein.

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Auszug aus 'Der junge Schmied vom Heroldsberg'

Spät ist es geworden. Die beiden ungleichen Freunde hatten einer Rede Martin Luthers beigewohnt. Es ist die Zeit, in der die Menschen anfangen zu denken und nicht mehr damit aufhören.

Die Zeitenwende übersteigt ihre Vorstellungen und mündet geradewegs in Furcht und Unsicherheit. Sehr überzeugend hatte der Reformator von Teufelspakten gepredigt und die Verfolgung von Zauberern und Hexen bekräftigt, da nur so der Schadenzauber abzuwenden sei.

„Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder, was bisweilen ignoriert wird. Also sollen sie getötet werden, nicht allein, weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“

Die fanatischen Worte Luthers sitzen ihm in den Gliedern, als der Erzgießer wie gewohnt sein Haus durch die Werkstatt betritt, um vor dem Zubettgehen noch einmal nach dem Rechten zu sehen.

Im erlöschenden Schein des Feuers sieht er Dorothea kauernd auf dem Boden hocken. Das offene Haar bedeckt ihre Schultern wie ein bewahrender Umhang. Sie ist nackt, hat den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen weit aufgerissen.

Diese Kurzgeschichte findest du in der Anthologie 'Dürer und die Fratze des Teufels'

Kapitel 'Über die Unzertrennlichkeit von Pech und Schwefel' aus dem Lebensratgeber 'Die wundersame Spirale des Glücks'

Ein weiteres Muster und damit Hindernis ist das Jammern und Wehklagen und der Umgang damit. Eine häufige Alltagssituation: Der Wecker klingelt nicht, Hektik ist angesagt. Der Unglückstag nimmt seinen Lauf... Kaffee verschüttet, Straßenbahn verpasst, zu spät zum Termin gekommen, Portemonnaie vergessen und so weiter und so fort.

Du kannst vermutlich selbst hunderte solcher Szenarien zum Besten geben. Es gibt diese strubbeligen Tage, an denen man morgens mit dem falschen Fuß aufsteht, Tage die sich einfach nicht entwickeln wollen. Nach schicksalhaften Ereignissen treten solche Tage vermehrt auf.

Ich nenne sie »Pech-und-Schwefel-Tage« und ich weiß, dass sie sich nicht von alleine in meine schönen »Milch-und-Honig-Tage« transformieren. Für die Umwandlung brauchen sie meinen persönlichen Einsatz. Praktischerweise kommen jetzt zwei bereits erwähnte Wundermittel zum Einsatz: bewusste Entscheidung und hohe Aufmerksamkeit.

Wenn es mir für den Moment zu mühsam ist, einen PuS-Tag = Pech-und-Schwefel-Tag in einen MuH-Tag = Milch-und-Honig-Tag zu verwandeln, entscheide ich mich bewusst für den PuS-Tag. Dieser Tag ist nicht mein bester, okay. Ich weiß das, ich sehe das, ich halte das aus. Ich akzeptiere diesen Tag. Ich sage JA – auch zu diesem Zustand. Ich nehme diesen Tag nicht zum Anlass, den nächstbesten Menschen, der mir über den Weg läuft, zu beschimpfen oder von morgens bis abends über den verkorksten Tag zu jammern. Ich entscheide mich bewusst, dass dieser Tag so ist, wie er ist und das auch wieder ein anderer kommen wird. Mit dieser Entscheidung arbeite ich unbewusst bereits an dem nächsten besseren Tag, und ich schneide alle Jammerlappen ab....